„Lügen“ – oder doch nur ein Übermaß an Phantasie?

(Ein Teil dieses Textes ist auch Teil eines Berichtes, den ich meinem „Reisejournal eines Müßiggängers“ veröffentlicht habe.)

Ich habe mich wieder Egon Friedells „Kulturgeschichte“ zugewandt. Ein Buch, das einigen Genuss bietet. Unübliche Blickwinkel und Betrachtungsweisen, Beschreibungen zwiespältiger Charaktere, kulturelle und soziale Analysen, die oft dem entgegengesetzt sind, was man herkömmlicher Weise erwarten würde. Aber auch manch Widersprüchliches findet sich, etwa in der Charakterisierung Napoleons, der einmal als eine Art „tumber Tor“ aus der Provinz, dem es nur Dank seiner „vitesse“ und seiner „courage“ gelingt, sowohl im Feld als auch in der Politik erfolgreich zu sein, der aber wenige Seiten später wieder als „Alleskönner“ und „Allesversteher“ gezeichnet wird. Zwei Passagen verdienen es besonders, hier kritisch besprochen zu werden. Umso mehr als ich Egon Friedell bisher fast immer positiv zitiert habe, ist es angebracht, auch einmal Stellen zu zeigen, mit denen ich weniger bis gar nicht einverstanden sein kann.

Die erste hat Aktualität gewonnen, weil man sich wieder einmal auf eine Milliarden-Hilfe für Griechenland geeinigt hat. Diese Passage hat es besonders in sich.  In dieser Form würde sich heute wohl kaum ein Literat von Rang über ein Volk zu schreiben getrauen. Höchstwahrscheinlich ginge es nicht einmal als Posting auf fb durch, ohne einen shit-storm hervorzurufen.

Durch seine große Phantasie, seine Kardinaleigenschaft, war der Hellene in besonders hervorragendem Maße zum L ü g e n und zum L e i d e n prädestiniert. Man darf geradezu von ein e n d e m i s c h e n Verlogenheit des griechischen V olkes sprechen, gegen die ein paar Ausnahms- menschen immer vergeblich und übrigens ziemlich schüchtern angekämpft haben. Überhaupt war eine individuelle und soziale Ethik nur bei einigen weltabgewandten Philosophen, bei allen übrigen aber nicht einmal im Ansatz vorhanden, und wenn man nicht ganz bestimmt wüßte, daß die Gymnasiasten von den griechischen Schriftstellern nicht ein Wort verstehen, so müßte man ihre Lektüre nicht nur aus dem Schulunterricht streichen, sondern auch privatim als höchst unmoralisch verbieten.“ (Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, C.H. Beck, 3. Auflage, 2012, S. 796)

Ich will nicht behaupten, dass ich dem vollinhaltlich zustimme, aber wenn ich an die aktuelle Misere mit den griechischen Staatsfinanzen denke und daran, dass „die Griechen“ anlässlich ihres Beitritts in die Euro-Zone ihre das Budget betreffenden Zahlen ziemlich „geschönt“ haben – um es euphemistisch auszudrücken – und mir in Erinnerung ist, dass Griechenland auch in der Vergangenheit schon einige Staatsbankrotte auf Kosten anderer hingelegt hat, dann würde ich der These auch nicht sehr heftig widersprechen wollen. Wenngleich ein ganzes Volk dermaßen abzuwerten natürlich mehr als problematisch ist. Zudem könnte demgegenüber natürlich einwenden, dass man das, was in der jüngeren Vergangenheit passierte, ohnehin nicht so genau wissen könne.

Ist Geschichte alt genug geworden, um zu reiner Poesie zu kristallisieren, so spricht aus ihr unmittelbar das Wesen des Weltgeistes, der niemals irren kann, das Wort Gottes; und in diesem Sinne ist die Bibel nicht nur das erhabenste, sondern auch das zuverlässigste Geschichtswerk der Weltliteratur. […] Die Geschichte der Gegenwart jedoch hat zu ihrem Mundstück bloß den Geist des „Herausgebers“, eines verschlagenen, zelotischen, mit eiserner Entschlossenheit gepanzerten Geschöpfes, das nur sich und seinem Parteidogma dient; ob es sich dabei um die Herausgabe von Schulbüchern oder Blaubüchern, diplomatischen Noten oder Generalstabsberichten oder aber um wirkliche Journale handelt, macht keinen Unterschied: alle Beiträge zur Gegenwartsgeschichte haben den Wahrheitswert einer Zeitung.“ (941f.)

Dass es sich bei den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaften um solche handelt, die in ihrer Stringenz mit denen der Naturwissenschaften vergleichbar wären, behauptet ohnehin niemand,  – auch wenn man de facto manchmal so tut, als handle es sich dabei immer um „harte, objektive Fakten“ – um aber mit dieser kryptischen Auffassung von Geschichte, die Friedell hier präsentiert, übereinstimmen zu können, müsste man wohl auch die strenge Interpretation der Bibel teilen, wie sie durch die „Kreationisten“ erfolgt. Und da ist meine Toleranz allerdings tatsächlich an ihr Ende gekommen.

Von der Untreue eines Müßiggängers gegen sich selbst

Ich habe mir ja vorgenommen, Müßiggang zu treiben auf der Reise, mir vorgenommen, mich um nichts zu kümmern, was sonst oft so wichtig erscheint, maximal ein bisschen und nur aus reiner Lust an meinem Reisejournal zu schreiben, mich auf das Unwichtige zu beschränken, und ich zweifle ja auch ein bisschen, ob das Nachfolgende in (m)einem Reisejournal wirklich Platz finden soll, weil das Nachfolgende doch weit darüber hinausgeht, was meines Erachtens dort angesprochen werden soll. In einem Reisejournal sollte man vielleicht doch nur das zu Wort kommen lassen, was unmittelbar mit dem aktuellen, erfreulichen Reisegeschehen zu tun hat.

Der Reisende ist aber nie nur Reisender, er ist, auch wenn er reist, in erster Linie Mensch und wenn er Mensch ist, ist er immer auch „politischer“ Mensch – ein „zoon politikon“ -sagten die damals noch „guten alten Griechen“. Aber weil die politische Lage natürlich auch den Reisenden nicht unberührt lässt, habe ich mich entschlossen, die nachfolgenden, mich bewegenden Gedanken hier doch nicht auszusparen, auch wenn mir bewusst ist, dass sie kontrovers diskutiert werden sollten, weil nie etwas so eindeutig ist, wie es manchmal in einem Satz zum Ausdruck kommen muss.

In der Nacht, so hörte ich in den Nachrichten, hat es wieder einen Terror-Anschlag in London gegeben. Sieben Opfer seien zu beklagen und mehr als fünfzig Verletzte habe es gegeben. Drei Attentäter seien erschossen worden.

Die Politiker des In- und Auslands ergeben sich wie schon so oft dem (Selbst-) Mitleid! Eine Lösung – und eine solche erwarten die Menschen mit Recht – können sie nicht anbieten, nicht einmal ansatzweise. Der Leidensdruck ist vielleicht noch nicht groß genug!

Dafür ist es der italienischen Küstenwache wieder einmal gelungen, einem „in See-Not geratenen Schiff mit Flüchtlingen“ vor Marokko zu Hilfe zu kommen und die darauf befindlichen Personen in Sicherheit“ zu bringen. In Sicherheit bringen“ ist jetzt die aktuell gebrauchte, politisch korrekte Beschreibung, der man sich im ORF bedient. Es ist aber eine überaus euphemistische Beschreibung dessen, was wirklich passiert. In Sicherheit“ wären die Menschen ja auch in Marokko, wenn man sie wieder zurückgebracht hätte. Sie werden aber nach wie vor nach Europa eingeschleust, und zwar auch dann, wenn sie nur wenige Seemeilen vor der afrikanischen Küste aufgefischt werden. Man wird sehen, wie lange sich die europäische Bevölkerung diese Vorgangsweise noch bieten lassen wird. Dann, wenn die ersten tätlichen Auseinandersetzungen dagegen beginnen werden, – es ist eher eine Frage der Zeit, als es eine Frage des „ob“ ist – werden die Politiker, die uns diese Misere aufladen, die ersten sein, die ihre „Hände in Unschuld waschen“ und beteuern werden, dass sie dies alles nicht voraussehen hätten können. Die Fragen, die sich stellen, sind einfach: Was an gesellschaftlichen Entwicklungen und welche sozialen Folgen ihrer Handlungen können Politiker überhaupt noch voraussehen?

Frau Isolde Charim schreibt in der Wiener Zeitung dazu:

Früher hieß es, man solle SP wählen als das kleinere Übel, um das größere Übel einer FP in der Regierung zu verhindern. Heute will man uns weismachen, Rot-Blau sei das kleinere Übel, um Schwarz-Blau zu verhindern. Nein, Rot-Blau wäre nicht das kleinere Übel. Es wäre vielmehr die schlimmste Variante. Denn sie ließe das Land ohne starke Gegenkraft zurück. Gute Nacht, Österreich.“

(Siehe:http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/895932_Rot-Blau.html)

Es wird immer offensichtlicher: Die Politik besteht anscheinend nur mehr darin, rechts gegen links, grün gegen braun, gelb gegen blau (usw.) auszuspielen, ohne dass man ein Wort über Inhalte zu verlieren müssen glaubt. Es ist leider wirklich schlecht bestellt um die Politik, wenn man nur mehr „Rot“ wählen soll, um „Blau“ zu verhindern und nicht eines politischen Inhalts wegen. Genügt es wirklich, sich nur mehr Gedanken darüber zu machen, ob „Rot-Blau“ als Cholera und „Schwarz-Blau“ als Pest gelten soll? Wenn das schon genug des Inhalts ist, dann „Gute Nacht!“ liebe Landsleute, die ihr euch zu den Politischen Köpfen zählt! Dass auch die bekannte Philosophin Isolde Charim in der Wiener Zeitung wieder einmal viel Raum für die Darstellung ihrer (an philosophischen Maßstäben gemessen: „flachen“) Meinung bekommt, ohne diesem „Spiel“ selbst einen inhaltlichen Mehrwert beizusteuern, zeigt wie ernst die Lage nicht nur für die Politik, sondern auch für das intellektuelle Milieu dieses Landes ist.

„G’sindl“ – oder doch lieber: „Sehr verehrte Idioten und Idiotinnen!“?

Eine bitterböse Bemerkung zu einem Thema, zu dem etwas von Substanz zu sagen, sich eigentlich nicht lohnt.

Manchmal, ganz selten, kann man nicht anders. Dann wird der Druck zu stark, und der Kessel droht zu platzen. 
Wenn ich daran zurückdenke, wie viele unfähige Regierungen ich erleben musste, wie viele Skandale diese produzierten, wie oft es ihnen gelang, diese im Sande verlaufen zu lassen, dann muss ich mir gratulieren, noch nicht ganz aus der Fassung gekommen zu sein.
Wenn von diesen Regierungen dann auch noch Lehrstühle gegründet werden, die keine andere Aufgabe haben als mitzuhelfen, mittels Sprache die Welt […also alles das, was der Fall ist. (:-)] endgültig zu „verhonigeln“, dann, ja dann, darf man sich nicht wundern, wenn auch dem „zartesten Gemüt“ ein Rundumschlag „passiert“.

Hermann Hesse schrieb in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, er sei eines Tages, mit seinem Leben in seiner Klause am Berg unzufrieden, wieder in die Stadt zurückgekehrt, in der schwachen Hoffnung, die Menschen und auch sich selbst bald wieder ernst nehmen zu können. Er, so sagt er, sei dabei auf ein Spiel gestoßen, das allen Mitspielern großen Spaß zu machen schien. Alle hätten dabei ungemein viel zu tun gehabt, hätten sich dabei aber meist überanstrengt in ihren Bemühungen, Dinge zu produzieren, die eigentlich niemand brauche, und damit Geld einzunehmen. Es sei ein Spiel gespielt worden damals, das allen Mitspielern trotz der sichtbaren Überanstrengung zwar großen Spaß gemacht habe, welches ernst zu nehmen, aber dennoch niemandem eingefallen sei.

An diesem Spiel hat sich, meiner Einschätzung nach, bisher wenig geändert; eine Veränderung ist aber dahingehend feststellbar, als sich das mit dem „Ernst-nehmen“ in bestimmten Bereichen sogar in sein Gegenteil verkehrt hat. Heute wird viel Unwichtiges überaus ernst genommen. Besonders ernst genommen werden die unwichtigsten Kleinigkeiten dieser Unwichtigkeiten, vornehmlich die, die fast keinerlei Bedeutung für das tägliche Leben haben. Ein Beispiel nur: Was, frage ich, veränderte sich, würde man weiterhin darauf verzichten, in der deutschen Sprache dem natürlichen Geschlecht eine größere Bedeutung zuzumessen als dem grammatikalischen, wie es Mode geworden ist?

Ich für meinen Teil werde mich jedenfalls weiterhin nicht dazu bewegen lassen, mich so ernst nehmen zu wollen, dass mir ausweglos nichts anderes übrig bliebe, als mich dieser Modetorheit zu unterwerfen.

Überdies gäbe es oft einfache Auswege aus dem künstlich herbeigeführten Sprachdilemma. Anstatt sich beispielsweise damit abzuquälen, zwischen Politikern und Politikerinnen ( gerne „PolitikerInnen“ genannt) zu unterscheiden, könnte man sich angesichts der aktuellen Anhäufung von krimineller Energie im Zusammenspiel mit katastrophaler Unfähigkeit auf politischem Gebiet vergleichsweise leicht und treffend auf den gendergerechten Begriff „G’sindel“ einigen.

Fundiertes zum „Gendern“, siehe: http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm

Der „Kurz-Coup“!

„Bitte zurücktreten! Der Kurz-zug fährt auf Bahnsteig 1 ein!“  Die „ÖVP Neu“ oder doch der (Kurz-)Zug der Lemminge?

Soll man sich freuen für die ÖVP, soll man weinen oder soll man gar lachen?

Der Bundesvorstand hat gesprochen, und es zeigt sich, ein auf einen starken Mann hin zugeschnittenes „Programm“ liegt der ÖVP traditionell vielleicht halt doch irgendwie im Blut, dazu hat sie einige Affinität. Das Bild von Engelbert Dollfuß in der Parteizentrale gilt vielen als Indiz dafür. Andererseits gibt es in keiner Partei sonst eine so starke Zersplitterung der Interessen wie bei ihr. Anstatt ihre strukturelle Gegebenheit, die Bündestruktur und den (Parteien-)Föderalismus endlich in ein Moment der Stärke zu verwandeln, will man Kurz zugestehen, das alles einfach wegzuwischen?

Die Einstimmigkeit des Bundesparteivorstandes überrascht. Niemand war dagegen, die alte Traditionspartei auf einen  „way of no return!“ zu schicken? Erfahrungsgemäß herrscht immer dann, wenn keine internen Kritiker mehr auf den Plan treten, höchste Gefahr für eine Gemeinschaft. Sogar dann, wenn man den für die ÖVP günstigsten Fall annimmt und das „Bübchen mit dem politischen Riecher, das außer Politik nichts kann“ schafft das, was den gestandenen ÖVP-Politikern schon lange nicht mehr gelang, nämlich ein gutes Ergebnis bei Bundeswahlen einzufahren, selbst dann sieht es für die ÖVP als Partei schlecht aus. Sie hat mit diesem Umbau de facto aufgehört zu existieren.

Nicht dass ich Mitleid hätte mit der ÖVP. Aber sich als Partei mit langer Tradition als staatstragende Kraft freiwillig und sogar mit offen zur Schau gestellter Begeisterung mehr oder weniger aufzulösen, um einer „Fatamorgana“ namens Sebastian Kurz nachzulaufen, die sich spätestens nach der nächsten Wahl als genau das Trugbild herausstellen wird, das es jetzt schon ist, dazu gehört einiges an Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Niemand wird bestreiten: die ÖVP muss sich verändern! Aber muss sie sich deswegen gleich auflösen?

Es werde nun klare Entscheidungskompetenzen geben, sagt Kurz. Vorzugsstimmen sollen mehr Gewicht bekommen und ein Reißverschlusssystem verspricht er einzuführen, damit mehr Frauen eine Chance bekommen.  Und ein „Durchgriffsrecht“ auf die Länderorganisationen werde ihm zugesichert.  Und viele „Fachleute“ will er anheuern.

Das erinnert sehr an die Zeiten, in denen die Parteien bestrebt waren,  möglichst viele  „Quereinsteiger“ ins Boot zu holen. Schon vergessen: Sie haben durchweg „Schiffbruch“ erlitten. Aber vielleicht ist es jetzt auch noch zu früh für ein endgültiges Urteil. Warten wir ab, was Kurz an Programminhalt bis zu den Wahlen tatsächlich bieten will.

Eines muss dem Wähler allerdings klar sein: Es macht einen gravierenden Unterschied, ob man erster Mann in der ÖVP, ob man ein Außenminister (mit Profil) oder ob man Bundeskanzler ist.

Kurz als Außenminister macht – auch das hat manchen überrascht – keine schlechte Figur, aber als Bundeskanzler kann ich ihn mir zur Zeit eigentlich nicht wirklich als Erfolgsmodell für Österreich vorstellen.

Aber wen könnte ich mir überhaupt als Bundeskanzler vorstellen? Leider überhaupt nichts in Sicht!

Sicher alles nur ein persönliches „Generationsproblem“.

 

 

Reisejournal eines Müßiggängers

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In der Wüste – Bardenas

Für Freunde des Reisens habe ich vor zwei Wochen einen neuen Blog “ Reisejournal eines Müßiggängers“ eingerichtet. Ein kleines Notizbuch über eine Reise in den Westen Europas. Es ging anfangs über Italien  nach Frankreich, entlang der Pyrenäen nach Biarritz, von dort in das Rioja-Gebiet, in die Wüste Bardenas und wieder zurück an die Atlantik-Küste nach Galizien. Derzeit sind wir im Norden Portugals und fahren voraussichtlich über Salamanca, Madrid, Barcelona und die französische Mittelmeerküste zurück.

Wer Lust hat, diese Reise zu begleiten, klicke auf:  https://soziologica.wordpress.com/

oder besser auf den Link: Reisejournal im Blogroll. (Es gibt natürlich auch die Möglichkeit sich direkt im Reiseblog als „follower“ einzutragen, dann versäumt man wirklich nichts.)

Viel Vergnügen.

Österr.-türkische Doppelstaatsbürger?

Nachdem die österr. Behörden anlässlich der „Erdogan-Abstimmung“ erfolgreich vermieden haben, Ermittlungen aufzunehmen, wer der türkischen Zuwanderer ungerechtfertigter Weise eine österr.-türkische Doppelstaatsbürgerschaft besitzt, obwohl das organisatorisch leicht durchführbar gewesen wäre, sind nun doch tatsächlich dem P. Pilz Wählerlisten der Erdogan-Abstimmung zugespielt worden. Ich bin neugierig, welche Ausreden sich unsere (Landes-) Regierungen einfallen lassen werden, um den dort aufscheinenden Personen eine Aberkennung der erschlichenen türkisch-österreichischen Doppelstaatsbürgerschaften zu ersparen. (?)

Tango Orchester Graz

Tango Orchester Graz

Selbst nun schon seit vielen Jahren begeisterter Tangotänzer, spricht mir dieser Text aus dem Herzen. Um so mehr, als er auf „esoterisches Gefasel“, wie es bedauerlicherweise sonst oft in Zusammenhang mit dem Tango Argentino zu lesen ist, gänzlich verzichtet. Ein Text, der wert ist, gelesen zu werden.

Der Tango ist heute auf der ganzen Welt zu Hause und in beinah jeder mittelgroßen Stadt in Europa gibt es Tangoclubs, Tangoveranstaltungen, Tangobegeisterte. So auch in Graz, wo an mehreren Abenden jeder Woche an diesem oder jenem Ort Tango getanzt wird – veranstaltet von mehreren Vereinen oder Tanzschulen. Dass es aber in einer Stadt wie Graz auch ein Tangoorchester gibt ist schon außergewöhnlich!

Seit zweieinhalb Jahren gibt es das Tango Orchester Graz. Es sind großteils LaienmusikerInnen, die sich nach einem Tangofestival entschlossen haben, weiterhin gemeinsam Tangomusik zu machen. Der Kern besteht aus sechs Personen, die regelmäßig gemeinsam musizieren und zu denen je nach zeitlicher Möglichkeit andere hinzukommen. Spannend ist auch, dass die Mitglieder aus ganz verschiedenen Lebensbereichen kommen: junge Leute, die noch studieren, musizieren gemeinsam mit anderen, die bereits in Pension sind. Die Leidenschaft für die Tangomusik verbindet sie und diese Leidenschaft ist bei jedem Auftritt spürbar. Gemeinsam arbeiten sie…

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Durchgeknallter Türkenpascha!

Heiko Heinisch - Nina ScholzDarüber, was sich derzeit in der Türkei „abspielt“, kann man eigentlich nur mehr verwundert den Kopf schütteln. (Deswegen auch der bewusst provokant gehaltene Titel.)

Dass es auch bei uns im Lande eine große Anzahl von Türken und Doppelstaatsbürgern gibt, die die Politik Erdogans schätzen und sogar aktiv unterstützen wollen, indem sie die verbrieften Freiheiten unserer Demokratie benützen, um für ein totalitäres Regime Stimmung zu machen, stimmt nachdenklich. Man sieht, wie groß der Irrtum war, dem jene aufsaßen, die glaubten, man könne Menschen aus traditionellen, islamischen Kulturen innerhalb weniger Jahre in das westliche System integrieren, ohne mit „Rückschlägen in Form von Parallelgesellschaften“ rechnen zu müssen. Es steht einiges an Integrations- und Bereinigungsarbeit bevor.

Der nachfolgende Text,  von Nina Scholz auf fb als Kommentar veröffentlicht,  verdient wegen seiner wohldurchdachten Treffsicherheit Verbreitung, deswegen sei er auch hier in meinem Blog als Zitat dargestellt. Zu den letzten „Entgleisungen“ des türkischen Staatschefs schreibt sie:

„Diplomatie ist zweifelsohne wichtig und nötig, ganz besonders dort, wo Meinungsunterschiede vorhanden sind. Aber sie hat eine Grenze. Diese verläuft dort, wo eine Seite die andere mit dem Leben bedroht. Das ist mit Erdoğans jüngster Ansage der Fall: „Wenn ihr euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer, kein einziger Westler auch nur irgendwo auf der Welt sicher und beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen können.“
Das ist eine knallharte Drohung, die im Umgang von Staaten miteinander ihresgleichen sucht und die wir bisher nur von der Hamas-Regierung gegenüber Israel und vom IS gegenüber uns Europäern, Westlern und dem Rest der Welt, auch gern „Ungläubige“ genannt, kennen, und die sich in diesen Tagen ein weiteres Mal auf tragische Weise in Terrorattacken niederschlägt. Diese Drohung ist der Punkt, an dem der Abbruch diplomatischer Beziehungen nicht nur gerechtfertigt, sondern auch sinnvoll ist. Appeasement und Zugeständnisse führen (und das zeigt nicht nur die Geschichte, sondern gebietet auch die Vernunft) in einem derartigen Fall von Selbstherrlichkeit, Herrenmenschentum („Die Türkei befiehlt – ihr könnt höchstens um etwas bitten“), von Persönlichkeitsstrukturen, wie sie Erdoğan oder Çavuşoğlu aufweisen, zu nichts, aber auch rein gar nichts. So schwer es manchen fällt, von Illusionen Abstand zu nehmen und vielleicht auch die Verblendung, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, zu überwinden: Mit der derzeitigen türkischen Regierung und ihrer leider viel zu großen Anhängerschaft ist keine sinnvolle Zusammenarbeit möglich. Auch das viel beschworene Aufeinander- Angewiesensein von EU und Türkei ist keine Einbahnstraße. Die Türkei hat einiges zu verlieren. Die europäischen Ländern sollten nach dieser Drohung ihre Botschaftsangehörigen abziehen (die angesichts stetiger Eskalation ohnehin nicht mehr sicher sind) und gemeinsam sehr klare Ansagen machen. Und das hat, nebenbei gesagt, auch etwas mit Würde zu tun.“

Nur der Ordnung halber sei angemerkt, dass ich die Aussagen dieses Textes vollinhaltlich unterstütze.

Literaturtipp: Nina Scholz und Heiko Heinisch, Europa, Menschenrechte und Islam, Passagen Verlag, 2012)

FREIHEIT IM IRRATIONALISMUS

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass ich selten Artikel aus dem Netz „reblogge“. Mein Leserkreis ist bekanntlich nicht so groß, dass ich damit fähig wäre, den von „alphachamber“ wesentlich zu erweitern; seine und meine Leserschaft zu bereichern, wäre genug.

Der Staats-lose Bürger

Anders als in Amerika, England und Frankreich, war der Irrationalismus in Deutschland die tragende geistige Kraft und besaß tiefen Einfluss auf die nationale Politik.

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Ich wär so gerne liberal!

Liberalität geht einher mit freier Meinungsäußerung. Kein Staat, kein Mensch, kein Medium, der / das Meinungen unterdrückt oder für ihre Unterdrückung eintritt, und seien diese Meinungen auch noch so absonderlich, darf sich berechtigter Weise „liberal“ nennen.

Es gab einmal eine Zeit, da glaubte das Kabarett eine wichtige politische Funktion erfüllen zu müssen in der deutschsprachigen Welt. Das Kabarett verstand sich in erster Linie als kritische Kraft gegenüber der gerade herrschenden Macht. Dass diese Zeiten spätestens seit dem Ende von Schwarz-Blau vorbei sind, ist offensichtlich. Das Kabarett hat längst die Seite gewechselt. Es hat es sich gemütlich gemacht, im warmen Bett der herrschenden politischen Kräfte; Erfolg verspricht, mit oberflächlichem Humor dem „common-sense“ die Stange zu halten.

Darin kann man nur dann einen Mangel erkennen, wenn man übersieht, dass die politische Darstellung in den letzten Monaten ohnehin mehr und mehr einer Kabarett-Vorstellung gleicht:

Der türkische Proletenpascha übt sich in lächerlicher Großmannsrhetorik, weil ihm einige europäische Staaten das Hereintragen des innertürkischen Wahlkampfes in ihr Hoheitsgebiet untersagen; der kümmerliche Rest der Kärntner „Buberl-Partie“ wird nicht für den Hypocrash zur Verantwortung gezogen, sondern im Vergleich dazu für ein Bagatell-Vergehen verurteilt, währenddessen die Hauptverantwortlichen ebenso wie die für den Draken-Deal Verantwortlichen nach wie vor ungeschoren bleiben. Österreich wird in Folge des Salzburger Spekulations-Dilemmas wegen verfälschter Budgetzahlen vor den Europäischen Gerichtshof zitiert, während große Teile Europas schon lange nur mehr mit „getürkten“ (eigentlich „gegriechten“) Budgetzahlen rechnen, die auf ehemalige Vereinbarungen – betreffend Höchstverschuldung und Budgetüberschreitungen – schon lange keine Rücksicht mehr zu nehmen bereit sind. Keine Rede mehr davon, dass jeder Staat nur für seine eigenen Schulden einzustehen hat. Die EZB kauft „toxische“ Papiere und druckt Geld in rauen Mengen. (Und das, – eigenartiger Weise – ohne eine Inflation im Gefolge.)

Kabarett in Reinkultur!

Ein paar Jahre noch, dann wird auch den verblendetsten EU-Optimisten klar geworden sein: Großbritannien hat – obwohl es ohnehin eine äußerst privilegierte Stellung innehatte – wieder einmal in der Geschichte rechtzeitig die Reißleine gezogen.

Man muss wahrlich gute Nerven und viel Humor haben in solchen Zeiten.

Und dann noch ein Weiteres:

Immer dann, wenn es wirtschaftlich schlecht läuft, besteht höchste Gefahr für alles Liberale in der Gesellschaft.

Es stimmt schon:

Man kann ein Freigeist sein und dabei einen sehr unfreien Geist haben, in dem, wie dies bei den meisten Freidenkern der Fall ist, das Verständnis für andersgeartete Weltanschauungen keinen Platz hat. Diese Art Aufklärer sind ebenso Gefangene ihrer engen und einseitigen Doktrin wie die von ihnen verachteten Reaktionäre. Dasselbe gilt vom landläufigen Liberalismus. Er ist liberal nur gegen die Liberalen, alle anderen Menschen sind in seinen Augen verstockte Ketzer und verblendete Toren, denen gegen ihren Willen die bessere Weltsicht aufgedrängt werden muß.

(Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, C.H.Beck,3.Auflage der Sonderausgabe, 2012)

Der wahre Liberale, da unterscheidet sich meine Ansicht von der des verehrten Egon Friedell, drängt seine Weltsicht aber niemandem auf. Tut er es, hat er sich als Liberaler disqualifiziert. Der Liberale wirbt für seine Weltsicht, mehr nicht.

Was aber tut der Liberale, wenn er bemerkt, dass ihm andere ihre Weltsicht gegen seinen Willen aufdrängen wollen?

Ich hoffe, er wehrt sich!