Kategorie: Reisenotiz

Reisenotiz – Strasbourg

Reisenotiz – Strasbourg

„Venedig – sehen und sterben; Strasbourg – sehen und lieben!“

Kein Wunder, denke ich mir, als ich den ersten Blick auf das Straßburger Münster werfen kann, dass im Laufe der Geschichte immer „ein Griss“ war um diese Stadt.

Der
Der „erste Blick“ auf’s Münster

Eine durch und durch wechselvolle Geschichte war ihr beschieden: gegründet von den Römern um 16 n. Chr., natürlich. Und dann immer schon „Carrefour de l’Europe“, daher sowohl dem Deutschen wie auch dem Französischen verbunden.

Im Jahr 842, dies sei wenigstens erwähnt, verbündeten sich hier die Enkel Karls des Großen: Ludwig, der Deutsche und Karl, der Kahle gegen ihren Bruder Lothar I. und schworen den „Straßburger Eid“. Dies ist angeblich das älteste Dokument, das in althochdeutscher und französischer Sprache abgefasst wurde.

„Die Rose“

Das Straßburger Münster ist ein Blickfang sondergleichen. Bereits 1176 hatte man zu bauen begonnen, zahllose Bauetappen waren notwendig, der Nordturm wurde erst 1439 fertiggestellt.

Übrigens auch der spätere „alte Geheimrat“ Goethe hat hier studiert, ebenso Herder.

Münsterplatz
Münsterplatz

In erster Line ist die Stadt aber herrliche, alte Reichsstadt mit unzähligen gut erhaltenen Fachwerksbauten, die teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen.

Strasbourg gilt als Mittelpunkt der Elsässischen Kulinarik, als kulturelles, künstlerisches Kleinod und ist eines der politischen Zentren Europas.

Was ist zu sehen?

Ein Stadtrundgang zur nahegelegenen Place du Marché-aux-Chochons-de-Lait und unbedingt ins „Quartier des Tanneurs“, ins Gerberviertel, und wenn man schon dort ist, sollte man auch das nahe Musèe d’Art Moderne  nicht unbesucht lassen.

Blick von der Pont Courverte hinüber ins
Blick von der Pont Courverte hinüber ins „Quartier-des-Tanneurs“
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Fachwerkhäuser im „Quartier-des-Tanneurs“

Für politisch interessierte Menschen lohnt sich vielleicht noch ein Ausflug hinaus zum Europaparlament und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, dahin könnte man auch einen Bootsausflug machen oder wenn man will, mit dem Rad fahren.

Europaparlament
Europaparlament

Kaum irgendwo wird soviel in Radwege investiert wie hier. Selbst wenn man aus dem nahegelegenen KEHL (jenseits des Rheins)  anradelt, kann man immer auf Radwegen unterwegs sein, ohne jemals vom Autoverkehr bedrängt zu werden.

Zur Verwirklichung dieser Strecke war sogar der Bau einer eigenen Rheinbrücke, die Passerelle des Deux Rives, erforderlich. Eine attraktive Erscheinung, weithin sichtbar.

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Musée d’Art Moderne
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Musée d’Art Moderne

Strasbourg, eine Reiseempfehlung auf  jeden Fall! Auf nach Strasbourg!

PS.: Abgesehen davon: Es gibt hier als besonderes Highlight eine rührige, sympathische Tango-Argentino-Szene. (Geheimtipp: Tanz-Center in Kehl, Kinzigstraße 35)

….und einmal mehr „Formatierungsprobleme“, das „Werkl“ tut, was es will…..

Reisenotiz – Augsburg und die „Beamtenforelle“

Reisenotiz – Augsburg und die „Beamtenforelle“

Was ist mir von Augsburg bekannt ist, ist nicht der Rede wert. Dies liegt natürlich daran, dass Deutschland als Reiseland seit jeher außerhalb meiner Interessen lag. Mit dem deutschen Habitus, hab ich’s nicht so. Er ist mir meist zu „streng“, zu „unlocker“, ein Vorurteil, ich geb’s zu, aber ein vielfach bestätigtes, auch durch die dafür erforderlichen Ausnahmen.

Zuerst – ich gestehe – dachte ich in Zusammenhang mit Augsburg  an ein typisch österreichisches Phänomen, die  bekannt-berühmte „Beamtenforelle“:  die Augsburger Knackwurst (aus magerem Schweinefleisch, vor-gegartem Speck, mit Pökelsalz, mit Mazis (Muskatblüte) und Piment gewürzt, in Schweinedärme mit einem Durchmesser von ca. 30 mm zu 75 g abgefüllt und heißgeräuchert), die man der Legende nach als Hauptnahrungsmittel aller österreichischen Beamten ansieht; genossen wird sie auf vielfältige Weise: kalt, wie eine Extrawurst mit einem Gurkerl oder im Salat vielleicht oder auch gesotten mit Senf, wie eine Frankfurter; in der „gehobenen“ Beamtenküche wird sie  gebraten, vielleicht mit einem zartcremigen Erdäpfelpüree als Zuspeise, auch mit Rotkraut und Salzkartoffel hab ich’s schon gesehen.

Warum Beamtenforelle?

Meines Wissens spricht die böswillige Legende davon, die Beamten hätten einst mangels ausreichender Bezahlung von einer „wirklichen Forelle“ aus dem Gebirgsbach nur träumen können und sich Ersatz gesucht. Eine Legende, die natürlich weniger Wahrheits- als Belustigungswert besitzt.

Dann allerdings kam mir natürlich das Augsburger Bekenntnis, der Augsburger Religionsfriede 1555 in den Sinn; und die in Augsburg ansässigen Handelsdynastien der Fugger (und die der Welser), die mit ihrem immensen Reichtum nicht nur die deutschen Kaiser finanzierten, sondern darüber hinaus Handelsbeziehungen mit den Medici, aber auch bis nach Südamerika pflegten.

Darüber hinaus musste Wikipedia helfen:

Der Name der Stadt geht auf das römische Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (auch Augusta Vindelicum)[4] zurück, die 15 v. Chr. unter dem römischen Kaiser Augustus als Castra gegründet wurde.[5] Damit gehört die Fuggerstadt zu den ältesten Städten Deutschlands.

Im näheren Umland  wurden in den „Dunklen Zeiten“ mehrere Außenlager des KZ Dachau errichtet. Im Stadtteil Kriegshaber existierte im Bereich des heutigen Gewerbehofes Ulmer Straße ein Frauenlager für 500 ungarische Jüdinnen. Im Ortsteil Haunstetten wurde in der Inninger Straße im Bereich einer ehemaligen Kiesgrube ein Männerlager für 2700 KZ-Häftlinge gebaut.

Neben der heute nur noch unter dem Kürzel MAN bekannten Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg, wo Rudolf Diesel 1892 den Dieselmotor erfand, hatte zum Beispiel die Messerschmitt AG seit 1927 hier ihren Hauptsitz. Mit der Allgemeinen Zeitung von Johann Friedrich Cotta erschien in Augsburg außerdem die bedeutendste deutsche Tageszeitung dieser Zeit.

Jakob Fugger Quelle Wikipedia (c) Wolfgang B. Kleiner, Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons
Jakob Fugger
Quelle Wikipedia
(c) Wolfgang B. Kleiner, Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons

Auch, dass  die Fugger es waren, die den ersten „Sozialen Wohnbau Europas“ ins Leben riefen, war mir bisher unbekannt, darauf wurde ich durch einen Hinweis einer netten Reisebekanntschaft,  einer Tango-Tanzenden-Architektur-Insiderin aus München,  aufmerksam gemacht; dieser Hinweis war letztlich  der ausschlaggebende Grund umzuplanen und dieser Stadt und der „Fuggerei“ einen Besuch abzustatten.

Die „Fuggerei“, gegründet und gestiftet im Jahre 1521 ist ein geschlossener Wohnkomplex mit mehreren Straßenzügen und Innenhöfen, unweit des Augsburger Rathauses, der heute noch bewohnt wird.

In einem der Innenhöfe des Gebäudekomplexes gibt es einen zur Besichtigung freigegebenen Bunker, der in den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges zum Schutz gegen die Luftangriffe gebaut wurde und jetzt als Ausstellungsraum genützt wird. Fotos und Filmbeiträge sowie ein paar Exponate (Gasmasken, Journale, Abzeichen etc.)  sollen helfen, die Kriegszeit auch emotional nachvollziehbar zu machen. Nur wenig unter der Erde gelegen, bietet er Platz für mehr als zweihundert Personen.

 

Auch zwei Schauwohnungen dürfen besichtigt werden. Fotografieren ist leider überall verboten. (Hin und wieder aber  muss man Vorschriften allerdings auch ignorieren können.)

 

"Fuggerei"  (c) Autor
„Fuggerei“
(c) Autor
Foto des Autors
Foto des Autors

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kenner und Liebhaber der Stadt mögen mir vergeben, dass ich mich zuwenig lange mit dem Erkunden der Stadt aufgehalten und so  Wesentliches übersehen habe.

(Und dass sich der Beitrag nicht ordentlich formatieren lässt. Weiß der Teufe l warum?)

Medienrechtlicher Hinweis: Das Beitragsbild vorne wurde Wikipedia entnommen, (c) die Rechte liegen bei Susanne Wosnitzka 2013

 

 

Reisenotiz – Salzburg

Reisenotiz – Salzburg

Salzburg – emotionaler „Schnürlregen“ Meine erste Begegnung mit der Stadt liegt nun schon mehr als drei Jahrzehnte zurück. Wenn mich nicht alles täuscht, war es im Sommer 1980. Keine Liebe auf den ersten Blick, auch keine auf den zweiten. Eine Liebe zur Stadt hat sich bei mir eigentlich nie eingestellt. Bis heute blieb eine gewisse Distanz, deren Ursache ich nicht zu benennen im Stande bin. Vielleicht ist alles ein bisschen zu schön, vielleicht ist alles ein bisschen zu sehr auf Tourismus und vermeintliche Hochkultur ausgelegt, vielleicht ist auch alles ein bisschen zu sehr vordergründig Lederhosen heimatverbunden? Der Anlass, ehemals, diesen Ort aufzusuchen, war von der Sehnsucht gespeist, die von Oskar Kokoschka gegründete „Schule des Sehens“ zu besuchen. Der Altmeister des österreichischen Expressionismus hatte es sich zu Beginn der Fünfziger Jahre zur Aufgabe gemacht, jungen kunstbegeisterten Menschen in den Sommermonaten die Möglichkeit zu bieten, sich künstlerisch weiterzubilden, den künstlerischen Blick zu schärfen. Zu meiner Zeit, also in den beginnenden Achtzigern, fühlten sich  vor allem jene jungen Menschen vom Angebot der Sommerakademie angesprochen, die im darauffolgenden Herbst eine der Aufnahmsprüfungen an den Wiener Kunsthochschulen zu bestehen beabsichtigten. Angenommen wurde dieses Angebot aber auch von sogenannten „Hobbykünstlern“ fortgeschrittenen Alters, denen es weniger darum ging, eine künstlerische Karriere zu beschreiten, als darum, ihre menschlichen Entwicklungsmöglichkeiten auszureizen, vielleicht auch ihre beruflichen oder privaten Frustrationen zu bearbeiten, (wer kann das wissen?) nicht zuletzt traf man hier aber auch einige wenige „Profis“, heute würde man sie vielleicht mit dem Modernismus: Kunstschaffende bezeichnen, die die hier vorhandene Infrastruktur, die zahlreichen Werkstätten, aber auch die Kontakte zu anderen Künstlern nützen zu können hofften.

Urinal im Rupertinum, aber nicht von Duchamp

Über die Sommerakademie mag man denken wie man will, Geburtsstätte Großer Künstler wird sie wohl nie gewesen sein, Verdienste dahingehend, junge Talente und auch weniger talentierte in ihrer künstlerischen Entwicklung gefördert, ihnen zu einem vertieften Verständnis für Kunst und Kultur verholfen zu haben, wird man ihr bis zum heutigen Tag nicht absprechen können. Mit Dankbarkeit denke ich an meine Lehrer zurück. Georg Eisler, Gerhard Rühm und auch Claus Pack sind mir in lebendiger Erinnerung. Sie verkörperten künstlerische Gegensätze wie sie gegensätzlicher nicht hätten sein können. Salzburg war immer bestrebt, auch international anerkannte Künstler für die Lehre zu verpflichten. Entsprechend groß war auch der Andrang der Lernwilligen, die bereit waren, eine nicht unbeträchtliche Summe Geldes und Freizeit zu investieren, um teilnehmen zu können. Zumindest eineinhalb Monatslöhne mussten schon aufgewendet werden, allein an Kursgebühren. Wollte man dazu auch noch halbwegs komfortabel und zentrumsnah wohnen, dann kam noch einiges dazu. Ich für meinen Teil bezog Quartier in einem alten VW-Kastenwagen, den ich mir dazu selbst entsprechend adaptiert hatte. Am Fuße des Mönchsberges, in der Josef-Preis-Gasse. In den 80er- Jahren eine verschwiegene Allee, die gleichzeitig die Zufahrt zum Jugendgästehaus darstellte; heute ist sie auch Zufahrt zu einem modernen Uni- Gelände, allerdings aller alten Kastanienbäume entledigt, seiner Romantik beraubt. Die Verantwortlichen des Jugendgästehauses erlaubten mir, obwohl ich nicht Gast des Hauses war, die Waschräume zu benützen, unentgeltlich, was mir ermöglichte trotz der widrigen Umstände des primitiven Wohnsituation, sechs Wochen im Auto, hinsichtlich meiner körperlichen Ausdünstungen halbwegs „gesellschaftsfähig“ zu bleiben. Auch diesmal führte mich der Weg in diese Gasse, wenn auch eines anderen Grundes wegen. Dort, so versprach eine Ankündigung im Internet, sollte freitags im Cafe „Unikum“ eine Milonga, eine Tanzveranstaltung für Tango-Argentino, stattfinden. Die Enttäuschung war groß, als sich, dort angekommen, herausstellte, dass diese Ankündigung leider nicht aktuell war. Gerade an diesem Freitag, war das Cafe wegen des Feiertags geschlossen. Als Entschädigung mache ich einen kleinen Rundgang durch die Altstadt. Wie die meisten Touristen lasse ich mich die „berühmt-berüchtigte“ Getreidegasse hinauf in Richtung Festspielhaus treiben, wo mir kurz vor dem „Goldenen Hirschen“ wie damals der vertraute Geruch des „Bosna-Standls“ in die Nase steigt. Inzwischen hat der tüchtige Geschäftsmann, seinen „Stand“ zu einem Geschäft ausgebaut, seinen Standort aber in eine Seitengasse verlegt. Damals war es war fast ein Ritual, auf dem Nachhauseweg zum alten VW einen Bosna zu essen, dessen scharfe Gewürzmischung und der viele Zwiebel am nächsten Tag seine wenig angenehme Wirkung tat. Wenn man jung ist, verträgt man eben allerhand, denke ich. P1030578 Beim Festspielhaus biege ich links ab und stehe alsbald vor dem Eingang des Rupertinums. An ihm vorbeizugehen, schaffe ich nicht. Schließlich gilt es dort den Arbeiten eines meiner verehrten Lehrer, Georg Eisler, einen Besuch abzustatten. Dass dort gerade auch ein wunderbarer kleiner Akt von Josef Mikl, eine kleine Zeichnung von Maria Lassnig und eines der farbenfrohesten Bilder von Gunter Damisch zu sehen sind, verbuche ich unter: erfreulicher Zufall. Dann spaziere ich zurück, an der Galerie Welz vorbei, die wie immer mit schönen Grafiken in der Auslage um Kunden wirbt. Den Abschluss findet der Rundgang natürlich bei einem Kleinen Braunen im „Tomaselli“ am Alten Markt. Die „Villa Zweig“ sehe ich leider nur von ferne. Vielleicht das nächste Mal? Man muss sich immer etwas aufheben für’s Wiedersehen. Vielleicht wird es ja doch noch einmal was mit der Liebe?

Stift Melk – und die Leibeigenschaft

Stift Melk – und die Leibeigenschaft

Reisenotiz vom 29. April 2015

Stift MelkOhne Zweifel, das Stift Melk gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, die Österreich dem internationalen Tourismus zu bieten hat. Es gibt wohl kaum einen Tourismusführer, der das Stift als kulturelles Kleinod anzupreisen  vergäße.

Jedem, der sich auch nur im weitesten Sinne für Bücher interessiert, wird zumindest die Bibliothek des Stiftes bekannt sein, deren Abbild zahlreiche Tourismusbroschüren ziert, allein schon ihrer architektonisch-künstlerischen Ausgestaltung wegen.Einer der meistgelesenen Romane Umberto Ecos: „Der Name der Rose“, bald nach seinem Erscheinen zum Bestseller avanciert, stellt einen ausdrücklichen – aber fiktiven – Konnex zum Stift her. Es ist Adson von Melk, der darin die spannende Geschichte rund um die Suche seines Herrn nach einem  verbotenen Buch in einer labyrinthischen Bibliothek eines Klosters im ligurischen Apennin und die Gräuel der Inquisition erzählt. Vielleicht war es auch die Bibliothek des Stiftes Melk, die Eco inspirierte?

Bevor allerdings die Melksche Bibliothek besichtigt werden kann, wird  der Besucher durch mehrere andere Räume gelenkt, in denen unter anderen kirchlichen Kult- und Gebrauchsgegenständen zahlreich goldene Kelche, Monstranzen, Silberschmiedearbeiten und kunstvoll bestickte Talare zu sehen sind.

 

Aufschrift im Stift Melk, interessantes Argument......Bevor man aber diesen Teil des Stiftes betritt, wird man mittels einer neben dem Türstock des Eingangsportals angebrachten Metallpaneele, in die eingraviert von den Ausstellungsmachern wichtige Informationen für den Besucher dargeboten werden, auf einige soziale Veränderungen hingewiesen, die der Lauf der Geschichte für das Stift und die Menschen mit sich brachte.

Dort liest man:

„Weil der Staat immer mehr soziale Aufgaben übernimmt, wird die Leibeigenschaft immer fragwürdiger.“

Wie alle anderen vor mir, schritt auch ich an dieser Aufschrift vorbei, mit meinen Gedanken schon ganz bei den „Kostbarkeiten“. Plötzlich allerdings,…….

Nein, es war kein Irrtum! Ich hatte richtig gelesen. Da wird doch tatsächlich behauptet, die Leibeigenschaft sei deswegen fragwürdig geworden, weil der Staat sich entschlossen hatte, soziale Aufgaben zu übernehmen.

Was also wäre gewesen, hätte sich der Staat dazu nicht entschlossen? Wäre dann die „Leibeigenschaft“ weniger fragwürdig geblieben?

Ein Akt kollektiven Verdrängens? Oder doch eine Fehleinschätzung der geschichtlichen Abläufe?

Man scheint vergessen zu haben oder angesichts der hier zur Besichtigung freigegebenen Kleinodien verdrängen zu wollen, dass es nicht zuletzt mittels der Leibeigenschaft gelungen war, diese Kostbarkeiten zu „erwirtschaften“.

Haben die Ausstellungsgestalter tatsächlich vergessen, dass es zu Zeiten der Leibeigenschaft üblich war, ihre leibeigenen Hintersassen  wie Vieh zu halten, die nicht nur für den Grundeigentümer zu schuften hatten, sondern von ihm bei Bedarf auch verkauft werden konnten; dass man als Leibeigener darüber hinaus auf Gedeih und Verderb der Grundherrn-Gerichtsbarkeit ausgeliefert, seinem „guten Willen“ unterworfen war; den Zehent zu erbringen schuldete; Hand- und Zugdienste leisten musste; nicht zuletzt war dem Grundherren, so ihm die Braut (auch) gefiel, das „jus primae noctis“ zu gewähren. Wenn Letzteres auch nicht unbedingt von den Stiftsherrn zu Melk eingefordert zu werden üblich gewesen sein dürfte, bleibt alles in allem doch eine ansehnliche  negative Bilanz zu ziehen, die das Institut Leibeigenschaft mehr als „fragwürdig“ erscheinen lassen müsste; dies auch für den Fall, dass der Staat im Jahre 1848 verabsäumt hätte, mit der  „Bauernbefreiung“ die Grundherren ihrer „sozialen Pflichten“ zu entbinden.

Es ist – wie ich glaube – tatsächlich eben gerade nicht so, dass die Leibeigenschaft einst deswegen fragwürdig wurde, weil der Staat soziale Aufgaben übernommen hätte. Die Leibeigenschaft, man könnte auch treffender Sklaverei sagen, ist mit dem Augenblick an fragwürdig geworden für die Welt, mit dem andere (aufgeklärt-humanistische) Wertmaßstäbe gesellschaftlich zum Durchbruch kamen.  Wertmaßstäbe und Ideen, die Menschen als gleichwertige Individuen postulierten, waren es, die diese Entwicklung einleiteten.

Die Ideen der Französischen Revolution von 1789: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, die von den Revolutionären zwar selbst bald mit Füßen getreten wurden, waren unauslöschlich in die Welt gesetzt und zeigten ihre Wirkung. Auch wenn sie in den Habsburger Landen noch mehr als ein halbes Jahrhundert lang erfolgreich beiseite geschoben,  mit Waffengewalt unterdrückt werden konnten, auch wenn es noch zahlreicher Kämpfe und Opfer bedurfte, diese Ideen mündeten notwendig in die „Bauernbefreiung“.

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Stift Melk ist jedenfalls einen Besuch wert.

„Ätsch!“ – reingefallen

„Ätsch!“ – reingefallen

Es ist zwar keine weltbewegende Sache, um die es hier gehen soll, aber wie sie abgehandelt wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung, die die österreichische „Obrigkeit“ ihren „Untertanen“ gegenüber hat. Nichts desto weniger zeigt sich darin auch ein humoristischer Aspekt.

(c) Usien 2010 Quelle Wikipedia
(c) Usien 2010
Quelle Wikipedia

Die Tatsache, dass man mit zunehmendem Verkehr dazu überging, gefährliche Eisenbahnkreuzungen mit einer Ampel zu regeln, half unbestritten viele Unfälle zu vermeiden. Manche Zeitgenossen fahren aber auch bei Rotlicht über den Bahnübergang, meist aus Versehen, manchmal mit Absicht, davon künden jährlich einige Tote. Um auch das zu verhindern, errichtete man mancherorts zusätzlich Bahnschranken. So weit, so gut.

Da auch damit einigen sich allen Vorschriften resistent erweisenden Zeitgenossen die Passage bei rot auch noch nicht total vermiest werden konnte, errichtete man zusätzlich Überwachungskameras, um die „Sünder“  zu fotografieren, um sie abzustrafen. Auch das ist gut.

Aber:

Geht der Schranken, nachdem der Zug passierte, dann endlich auf, stellt sich das Rotlicht meist noch lange nicht auf „freie Fahrt“. Ungeduldige, die es besonders eilig haben, glauben, nicht mehr warten zu müssen. Diese werden dann, weil bei Rotlicht eine Kreuzung zu passieren eben nicht erlaubt ist, fotografiert und abgestraft. Die Zahl derer, von denen hier die Rede ist, ist nicht unbeträchtlich und steigt angeblich dramatisch.

Ihr Pech! Natürlich.

Aber:

Kundenfreundlicher, intelligenter und weniger „heimtückisch“ wäre, die Anlagen der Eisenbahnkreuzungen einfach anders zu schalten.

Liebe ÖBB lasst es endlich z u e r s t „frei“ an der Ampel werden und macht erst dann den Schranken auf, dann ist das Problem gelöst! Es ist nicht nur sicherer, man müsste sich auch über Strafen keine Gedanken mehr machen.

Die Autofahrer werden’s Euch danken.