Sloterdijk – eine Hassliebe?

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, Sloterdijk aus meiner Bibliothek zu verbannen. Seine mir entdeckte Rudolf Steiner gewidmete Lobhudelei, hat mich wirklich hart getroffen. Wie kann man als ein der Rationalität und dem kritischen Denken verpflichteter Philosoph von Rang einer zwielichtigen Gallionsfigur der Esoterik – als eine solche sehe ich Steiner – derartige Ehre erweisen. ( Siehe Peter Sloterdijk im Gespräch über Rudolf Steiner, 2011 – YouTube )

Was soll ich tun? Auch wenn er mich hin und wieder enttäuscht, ich liebe ihn ja doch, wegen seines allumfassenden Wissens, seiner Gabe Zusammenhänge herzustellen, wo andere keine sehen und dies in einer kunstvollen Sprache, die vielleicht schon Literatur ist; eine Sprache, die zumindest eher als Literatur zu qualifizieren ist, als vieles andere, das sich „Literatur“ nennt und als solche nicht selten sogar ausgezeichnet wurde in den letzten Jahren. Ich gestehe, ich liebe ihn: Weil er sehr gescheite Sachen in solch „schöne Sätze“ zu verpacken weiß:


Völker, die mit Mythen und Ritualen aus eigenkulturellen Quellen – gleichsam durch den lokaldämonischen Wochenmarkt – versorgt sind, gleichgültig wo auf dem Planeten, bewegen sich in eingeschliffenen „Plausibilitätsstrukturen“ hinsichtlich ihrer therapeia theon.“ Ein Gott mit „erhöhten Ambitionen in bezug auf Gefolgschaft und Exklusivität (müsste) sich vornehmen, bestehende Plausibilitätsstrukturen zu sprengen oder sie subversiv zu verwandeln.

Eine ergänzende eigene Anmerkung dazu: Diese vom Autor „einem Gott“ zugeschriebene Aufgabe wurde meiner Meinung nach aber seit jeher und ausschließlich von religiös besonders begabten Menschen übernommen, die sich in latentem Grunde einer irdischen Aufgabe* verpflichteten, sich aber gegebenenfalls eben geschickt auf einen mächtigen Gott oder aber – in Ermangelung eines solchen – auf die Mächtigkeit sogenannter „ewiger Werte“ (Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität, Menschenrechte, Nationalität oder auch Supranationalität etc.) zu berufen wussten.

*Aus der Sicht des jungen Fichte sind die historischen Religionen, wie schon für Spinoza, Überredungssysteme und Gehorsamsschulen, die dem kindlichen Geist vorläufige Hinweise auf das Richtige geben, aber des mündigen, selbstdenkenden Geistes nicht mehr würdig sind. (A.a.O, S.117f.)

Peter Sloterdijk, in : „Den Himmel zum Sprechen bringen“

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