Syrien – eine grundsätzliche Überlegung

Anlass für diesen als Antwort konzipierten Text war ein „post“  Ahmad Mansours auf Facebook. Er  schrieb:

„Es ist ein Armutszeugnis für die Welt, dass wir uns mit Syrien nur dann beschäftigen, wenn Menschen sich Richtung Europas Grenzen bewegen! Keiner hat einen Lösung für den Bürgerkrieg. Die Player in diesem Konflikt verfolgen ihre eigenen Interessen und alle halten fest an einer Nationalstaat Syrien, den es eigentlich nicht mehr gibt, und nicht mehr geben wird, statt neue Wege zu suchen, die vielleicht weniger Leid für den einfachen Menschen vor Ort mit sich bringen. Und auf die Gefahr hin, aus europäischer Sicht lächerlich zu klingen, ich meine damit die Teilung Syriens in u.a sunnitische, Alawitische und kurdische Gebiete.“

 

Sg. Herr Mansour!

Ich habe schon einige interessante „Posts“ von Ihnen gelesen hier auf fb. Den hier kann ich beim besten Willen nicht dazuzählen. „Ein Armutszeugnis für die Welt“ sei das, dass WIR uns nur dann mit Syrien beschäftigen, wenn sich Menschen in Richtung Europa bewegen?

Wer ist die WELT und wer ist WIR?

ICH ( – und das wird wohl auch für den Großteil aller Europäer gelten -) habe mich noch nie in die Angelegenheiten Syriens und in die der dort lebenden Menschen eingemischt und ich möchte das auch in Zukunft nicht tun. Es hat mich ja auch niemand – und ich glaube auch niemanden, der in Österreich je Regierungsverantwortung trug, zu Beginn des BÜRGERKRIEGS um Rat gefragt.

Ich gebe zu, dass die Situation inzwischen tragisch und unübersichtlich geworden ist. Am Anfang des Konflikts aber, das wissen Sie ja ohnehin, stand der relativ überschaubare Wunsch gewisser syrischer Kreise einen anderen Stammesführer an die Spitze des Staates zu stellen. Da der machthabende Herrscher nicht bereit war, freiwillig abzudanken, hat man sich auswärts Verbündete gesucht, die eilfertig Mittel bereitstellten, das Ziel mit Gewalt zu erreichen. Für einen Machtwechsel war man sogar bereit, das Land in Schutt und Asche zu legen. Der Plan ist nicht aufgegangen, die syrische Bevölkerung zahlt jetzt die Rechnung.

Es gibt eine Verantwortung des Volkes für seine eigene Geschichte, das wurde uns Österreichern in den letzten Jahrzehnten oft und oft – oft bis zum Überdruss – beigebracht, eine Verantwortung, vor der man nicht davonlaufen kann und auch nicht davonlaufen darf, eine Verantwortung (nicht Schuld) für die eigene Geschichte gibt es und das ist gut so. Auf Gewalt zu verzichten, erfordert oft einen schmerzhaften Lernprozess, den erfahrungsgemäß viele Völker in ihrer politisch zivilisatorischen Weiterentwicklung zu durchlaufen haben; sehr oft wird man erst aus dem Schaden klug. (Siehe auch Österreich und Ständestaat)

Die Syrer werden sich selbst aus ihrer Verstrickung befreien, die Waffen niederlegen, und ihr Land gefälligst selbst wieder aufbauen müssen.

Wenn sich die Menschen dort wieder zu einem friedlichen Miteinander durchgerungen haben, dann erst sollten wir Ihnen im Namen der Menschlichkeit beim Wiederaufbau helfen, wie auch uns geholfen wurde. Sie beim Davonlaufen ins „gesegnete Europa“ zu unterstützen, halte ich nicht nur für falsch, sondern auch für kontraproduktiv.

2 Gedanken zu „Syrien – eine grundsätzliche Überlegung

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