Benedikt XVI. und die Missbrauchsskandale in der Kirche

In seinem heutigen Kommentar (Neue Züricher Zeitung) schreibt Stefan Reis Schweizer:

„Der fast 92-jährige Benedikt beschreibt den Missbrauchsskandal als geistliche Krise der Kirche und ruft zu einer «Erneuerung des Glaubens» auf. Als Ursachen für den Missbrauch macht er die Gottlosigkeit und eine Entfremdung vom Glauben aus. Seit den 1960er Jahren habe sich dies auch in einer Abkehr von der katholischen Sexualmoral ausgedrückt. Dies habe fatale Folgen für die Theologie, die Priesterausbildung und die Auswahl von Bischöfen gehabt.“  (…)

„Benedikt bringt auch die 68er Jahre in einen Zusammenhang mit dem Missbrauchsthema in der Kirche. Zur Physiognomie der 68er Revolution habe es gehört, dass auch Pädophilie erlaubt gewesen sei. Davon unabhängig habe sich zur gleichen Zeit ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, «der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte»“.

Meine Schlussfolgerung in kürzest möglicher Fassung:

Die Schuld liegt nicht an der „Freizügigkeit der 68er“, das mag – wenn überhaupt – bestenfalls für Missbrauchsfälle in laizistischen Bereichen Geltung haben. In den kirchlichen Bereichen schlägt wohl stärker ein anderer Grund durch:  die offensichtlich unüberbrückbare Diskrepanz zwischen „Anspruch“ ( der Forderung ein Leben mit vollständig unterdrückter Sexualität zu leben) und „Wirklichkeit“ (der hin und wieder übermächtigen Wirkung des Sexualtriebes). Solange sich „die Kirche“ diesem unauflöslichen Widerspruch nicht stellt, wird sich das Problem wohl nicht lösen lassen.

Solange das Missbrauchsproblem von der Amtskirche verniedlicht und die Verantwortung in außerkirchliche Bereiche abgeschoben wird bzw.  allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse anstelle des oben genannten Antagonismus dafür verantwortlich gemacht werden, sollte man gezwungenermaßen zölibatär lebende Männer (!!) von Kindern möglichst fernzuhalten.

 

 

 

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