Syrien – „Die Coca-Kolonisation“

Viele fragen sich, was die Gründe sind, die ein Volk dazu bewegen könnten, sich zu massakrieren und so ganz nebenbei das Land in einem jahrelang andauernden Bürgerkrieg in Schutt und Asche zu legen. Die Gründe sind natürlich vielfältig und hier ist weder der Platz, noch die Zeit und schon gar nicht die Expertise vorhanden, sie ausführlich darzulegen.

Einen Hinweis darauf, wo man beginnen könnte, wenn man diese Gründe  zu beschreiben beabsichtigt, findet man aber schon in einem Text, der von Leopold Kohr vermutlich bereits in den 1950er Jahren verfasst wurde.

Nachfolgend zwei der aufschlussreichen Passagen daraus:

„Obwohl das das harmloseste aller amerikanischer Lebenssymbole ist (Coca-Cola), ist es doch bezeichnend für unsere „soft-drink“- Methode im Aufbau unseres (amerikanischen) Imperiums, zum Unterschied von der harten „Gorilla-Methode“ der Russen. […]

Amerikanische Produkte, Ideen, Geschmäcker, Berater und Generäle sind ihr [die Coca-Kolonien, Anm. d. Verf.] einziger gemeinsamer Nenner geworden, und die einzige Vereinigung, die sie erfahren werden, wird unter der Flagge amerikanischer Waren und der amerikanischen Nation sein. Deshalb hat ein Land wie Syrien, das dem Strudel der Coca-Kolonisation entkommen wollte, trotzig erklärt, obwohl es niemand dazu eingeladen hatte, daß es nicht um  Hilfe unter dem „Point Four“-Programm ansuchen würde, weil es der westlich imperialistischen Einflußnahme in Form von Geschenkpaketen entgehen wollte. Wie richtig das war, konnte man an der leicht beleidigten Art sehen, wie die New York Times ihre  Lektion für Amerika kommentierte:

„Es genügt nicht, rückständigen Völkern Hilfe anzubieten. Die Vereinigten Staaten müssen deren Führer auch überreden, die Hilfe zum Wohle ihres Volkes anzuwenden, oder Männer finden, die mit den Vereinigten Staaten kooperieren. Das ist eine schwierige Aufgabe, die Amerika bis jetzt nur sehr erfolglos angegangen ist; aber wenn es nicht gut getan wird, würden alle Pläne den unterentwickelten Ländern zu helfen, zum Scheitern verurteilt sein.

(Leopold Kohr, Das Ende der Großen – Zurück zum menschlichen Maß, Otto Müller Verlag, 4. Auflage, Salzburg-Wien, 2017, S. 296f.)

Offensichtlich hat man im Laufe der Jahre „diese Männer“ unter den Syrern gefunden. Das schreckliche Ergebnis ist uns allen bekannt. Das Land ist verwüstet, Millionen von Menschen sind auf der Flucht, das „bessere Leben“, das sich einige Syrer unter der Herrschaft eines anderen Führers erwarteten, ist in weite Ferne gerückt. Die Machtverhältnisse blieben weitgehend unverändert.

Die Folgen haben nicht die Vereinigten Staaten  von Amerika und auch nicht Russland, sondern in erster Linie die Syrer selbst und ein paar wenige Staaten Europas zu tragen.

 

 

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