„Politischer Islam. Politisches Christentum.“

Frau Rohrer schreibt heute in „fisch und fleisch“ unter obigem Titel unter anderem folgendes:

Der Begriff politischer Islam wird oft mit islamischen (sic) Fundamentalismus gleichgesetzt. Dann aber drängt sich die Frage auf, warum nicht auch von einem „politischen Christentum“ die Rede ist? Es gibt auch christliche Fundamentalisten. Die Antwort ist einfach: Weil dem „politischen Islam“ ohne jede Differenzierung Gewaltbereitschaft zugeschrieben und er daher als Bedrohung gesehen wird – und damit lässt sich trefflich Politik betreiben. Ist diese Gewaltbereitschaft aber nicht mehr eine Frage der Macht denn der Religion?“

Die von Frau Rohrer aufgeworfene Frage, ist meines Erachtens nicht besonders schwierig zu beantworten. Allein dass sie sie stellt, wundert mich. Natürlich gibt es – auch in Österreich – immer noch das, was man „politisches Christentum“ nennen könnte, aber eine aggressive Durchsetzungsbereitschaft seiner Anliegen oder gar eine Bereitschaft Gewalt anzuwenden, kann man ihm schon lange nicht mehr vorwerfen. Diesem Befund wird auch Frau Rohrer zustimmen, denke ich.  Und das liegt nicht nur an den Aussagen der unterschiedlichen Quellen (Bibel, Koran) auf die sich die Fundamentalisten der einzelnen Lager  berufen. Die (fundamentalistischen) „Christdemokraten“ Österreichs wurden außerdem in einem jahrzehntelang schwelenden Prozess nicht zuletzt aufgrund der schmerzlichen, historischen Erfahrungen (Ständestaat, Bürgerkrieg) „gezähmt“, ihre Ideologie entschärft und mit den Grundsätzen einer „offenen Gesellschaft“ kompatibel gemacht; dieser Prozess steht (uns) mit den Muslimen, besonders aber mit den Islamisten, als Vertreter des politischen Islam, noch bevor. Es sei denn die Situation kulminiert aufgrund der zu erwartenden demografischen Entwicklungen tatsächlich zu der von Frau Rohrer angesprochenen „Machtfrage“. Dann wird, um es mit einem Wort des vielgeschmähten Carl Schmitt auszudrücken, der „Ernstfall“ tatsächlich eintreten, der uns letztlich eine Betrachtung der Konfliktparteien im Freund-Feind-Schema unvermeidlich aufdrängen wird. Diese Erwartungshaltung hat aber noch lange nichts mit einer unbegründeten Angst zu tun, die Frau Rohrer hier wieder bemüht; wenn schon, dann höchstens mit der begründeten Furcht, dass unsere Enkel diesen Konflikt austragen werden müssen.

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