Der „Kurz-Coup“!

„Bitte zurücktreten! Der Kurz-zug fährt auf Bahnsteig 1 ein!“  Die „ÖVP Neu“ oder doch der (Kurz-)Zug der Lemminge?

Soll man sich freuen für die ÖVP, soll man weinen oder soll man gar lachen?

Der Bundesvorstand hat gesprochen, und es zeigt sich, ein auf einen starken Mann hin zugeschnittenes „Programm“ liegt der ÖVP traditionell vielleicht halt doch irgendwie im Blut, dazu hat sie einige Affinität. Das Bild von Engelbert Dollfuß in der Parteizentrale gilt vielen als Indiz dafür. Andererseits gibt es in keiner Partei sonst eine so starke Zersplitterung der Interessen wie bei ihr. Anstatt ihre strukturelle Gegebenheit, die Bündestruktur und den (Parteien-)Föderalismus endlich in ein Moment der Stärke zu verwandeln, will man Kurz zugestehen, das alles einfach wegzuwischen?

Die Einstimmigkeit des Bundesparteivorstandes überrascht. Niemand war dagegen, die alte Traditionspartei auf einen  „way of no return!“ zu schicken? Erfahrungsgemäß herrscht immer dann, wenn keine internen Kritiker mehr auf den Plan treten, höchste Gefahr für eine Gemeinschaft. Sogar dann, wenn man den für die ÖVP günstigsten Fall annimmt und das „Bübchen mit dem politischen Riecher, das außer Politik nichts kann“ schafft das, was den gestandenen ÖVP-Politikern schon lange nicht mehr gelang, nämlich ein gutes Ergebnis bei Bundeswahlen einzufahren, selbst dann sieht es für die ÖVP als Partei schlecht aus. Sie hat mit diesem Umbau de facto aufgehört zu existieren.

Nicht dass ich Mitleid hätte mit der ÖVP. Aber sich als Partei mit langer Tradition als staatstragende Kraft freiwillig und sogar mit offen zur Schau gestellter Begeisterung mehr oder weniger aufzulösen, um einer „Fatamorgana“ namens Sebastian Kurz nachzulaufen, die sich spätestens nach der nächsten Wahl als genau das Trugbild herausstellen wird, das es jetzt schon ist, dazu gehört einiges an Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Niemand wird bestreiten: die ÖVP muss sich verändern! Aber muss sie sich deswegen gleich auflösen?

Es werde nun klare Entscheidungskompetenzen geben, sagt Kurz. Vorzugsstimmen sollen mehr Gewicht bekommen und ein Reißverschlusssystem verspricht er einzuführen, damit mehr Frauen eine Chance bekommen.  Und ein „Durchgriffsrecht“ auf die Länderorganisationen werde ihm zugesichert.  Und viele „Fachleute“ will er anheuern.

Das erinnert sehr an die Zeiten, in denen die Parteien bestrebt waren,  möglichst viele  „Quereinsteiger“ ins Boot zu holen. Schon vergessen: Sie haben durchweg „Schiffbruch“ erlitten. Aber vielleicht ist es jetzt auch noch zu früh für ein endgültiges Urteil. Warten wir ab, was Kurz an Programminhalt bis zu den Wahlen tatsächlich bieten will.

Eines muss dem Wähler allerdings klar sein: Es macht einen gravierenden Unterschied, ob man erster Mann in der ÖVP, ob man ein Außenminister (mit Profil) oder ob man Bundeskanzler ist.

Kurz als Außenminister macht – auch das hat manchen überrascht – keine schlechte Figur, aber als Bundeskanzler kann ich ihn mir zur Zeit eigentlich nicht wirklich als Erfolgsmodell für Österreich vorstellen.

Aber wen könnte ich mir überhaupt als Bundeskanzler vorstellen? Leider überhaupt nichts in Sicht!

Sicher alles nur ein persönliches „Generationsproblem“.

 

 

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