Reisenotiz – Avignon und „sein“ Umland

Reisenotiz – Avignon und „sein“ Umland

P1030868Als nächsten „Stützpunkt“ wählten wir Avignon. Die Stadt hat es mir seit vielen Jahren angetan. Schon lange bevor ich – relativ erfolglos – begann, mich damit abzumühen, wenigstens Grundbegriffe der Landessprache zu verstehen, in der einige der maßgeblichsten Kulturträger schrieben, die die Menschheit hervorgebracht hat, war mir die Stadt, wenn auch nur „vom Hörensagen ein Begriff“. Das alte Volkslied aus dem 15. Jahrhundert, mit dem eigentlich der Pont Saint Bénézet gemeint ist, „Sur le Pont d’Avignon / l’on y danse, l’on y danse….“, lernte auch bei uns  fast jedes Kind.

Avignon, die ferne, besungene Stadt mit großer Geschichte. Sie nun wieder einmal mit eigenen Augen zu sehen, durch ihre Gassen zu schlendern, vor dem Palast der Päpste zu verweilen, hinterlässt nicht nur bei frankophilen Menschen einen tiefen Eindruck.

Man sollte sich angesichts von so viel Geschichte nicht  wundern, wenn es einen zu frösteln beginnt beim Durchschreiten der alten Mauern. Dazu bedarf es keiner tiefen religiösen Gläubigkeit, auch wenn  der „Heilige Geist“ (diesmal als schwarze Taube getarnt) sich gerade mir hier ins Bild schwindelte; es bedarf nur eines gewissen Mindestmaßes von Ehrfurcht vor der Geschichte. Vielleicht tat aber auch der vom Mont Ventoux herab wehende Wind das Seinige dazu, uns frösteln zu lassen. Schließlich präsentierte sich der Hausberg Avignons mit seinen fast zweitausend Metern immer noch mit Schneehaube.

Avignon ist natürlich sehenswert, aber es liegt auch für Ausflüge in die Umgebung günstig. Es ist nicht weit zum Pont du Gard, nicht weit hinauf in das Tal der Ardéche, nicht weit hinüber nach Roussillion; nur ein kleiner Abstecher  ist nötig und man kann auch dem einsamen Zisterzienserkloster, der  Abbaye Notre-Dame de Sénanque, einen Besuch abstatten.

Das sind die Ziele, die zu besuchen, wir uns vorgenommen haben.

P1030882Wir begannen mit dem nahegelegenen Pont du Gard.

Ein eindrucksvoller Aquädukt über den Fluss „Gard“, der sich ganz im Gegensatz zur Sioul in herrlichem Grün präsentiert, aber ebenso wie diese nur gemächliches Tempo zeigt.

Leider ist mir, wie ich jetzt feststelle, nur ein einziges Foto gelungen, das den Pont und den Gard gemeinsam zeigt. Durch das Foto (links) könnte man fast den Eindruck haben, der Pont führe über eine grüne Wiese.

Dem ist aber nicht so, zumindest ein Foto, mit „Selbstauslöser“ gemacht, findet sich zur Berichtigung des falschen Eindrucks  glücklicherweise doch: P1030883

„Der Pont du Gard war Teil einer fast 50 km langen Wasserleitung, mit der Wasser von den Quellen nahe Ucetia (Uzès) zur römischen Stadt Nemausus (Nîmes) transportiert wurde. Die Brücke ist 49 m hoch und umfasst drei Etagen:

  • Untere Ebene: 6 Bögen, 142 m lang, 6 m breit, 22 m hoch
  • Mittlere Ebene: 11 Bögen, 242 m lang, 4 m breit, 20 m hoch
  • Obere Ebene: 35 Bögen, 275 m lang, 3 m breit, 7 m hoch

Auf der oberen Ebene verläuft das rechteckige Gerinne der Wasserleitung, das 1,80 m hoch und 1,20 m breit ist und ein Gefälle von 0,4 Prozent aufweist. Auf der unteren und mittleren Etage der Brücke befinden sich Arkaden aus 61 bis zu 6 t schweren Keilsteinen. Die Pfeiler der mittleren Ebene sind genau auf den Pfeilern der unteren Etage aufgelagert, um die Belastung der unteren Gewölbebögen zu minimieren. Von der Mitte ausgehend wird die Bogenspannweite zum Ufer hin immer kleiner.“

P1030890(links)

Zur Veranschaulichung der Größen-Relation: Mensch / Bauwerk. Wir befinden uns auf der ersten Ebene des Ponts, der in der Mitte des 1.Jahrhunderts n.Chr. errichtet worden sein soll.

P1030875(rechts)

Die exakte Passform der Steinquader ersparte den Mörtel und sorgt dennoch für unglaubliche Stabilität. Das ist Nachhaltigkeit. Unsere Brücken sind nach 40 Jahren am Ende, diese hier steht bald 2000 Jahre.

 

 

 

Weiter ging es in Richtung Norden, in die Georges de l’Ardèche:

Ein Blick von oben ins Tal hinab: Ein Eldorado für Wanderfreaks, Mountainbiker und Paddler !

P1030892

Jedes Jahr Anfang November findet auf diesem Flussabschnitt ein spektakulärer Wildwassermarathon („Marathon International des Gorges de l’Ardèche“) mit bis zu 1500 Teilnehmern statt. Dabei werden die verschiedenen Bootsklassen der Kajaks und Kanadier gleichzeitig gestartet.

Das nächste Mal: ein bisschen etwas über die Abbaye Notre-Dame de Sénanque und das bezaubernde Städtchen Roussillion.

Bitte hinterlassen Sie hier ihre Einwände oder wichtigen Ergänzungen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s