Überheblichkeit anstelle von Bürgernähe

Als Nachwirkung des Bekanntwerdens der betrüblichen Tatsache, dass Politiker in der Öffentlichen Verwaltung unter den Augen des Rechnungshofes in den letzten Jahren mit dubiosen Anlagezertifikaten viele hundert Millionen Euro Staatsvermögen „verspekulierten“ und nach wie vor niemand die Verantwortung dafür zu übernehmen bereit ist, wurde die folgende Nachricht von mir unlängst an die von der „Presse“ betriebene Seite „Mein Parlament“ gesendet. Für den Fall, dass diese Seite jemandem unbekannt ist, sei gesagt, dass man mit der Einrichtung dieser Seite vermutlich „mehr Bürgernähe“ zu schaffen glaubt.

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Wenn nicht Lobeshymnen gesungen werden, begnügt man sich offensichtlich damit, unliebsame Anfragen ohne Antwort abzuwimmeln. Beispielhaft sei die Nachricht unten herangezogen, die zugegebener Maßen nicht besonders freundlich aber auch nicht als Beschimpfung  formuliert wurde. Für Freundlichkeiten ist nach der unglaublichen Anzahl von Finanzdebakeln innerhalb der Öffentlichen Verwaltung auch wirklich kein Platz mehr. Diese Anfrage aber der Kategorie „Beschimpfung“ zuzuordnen, zeigt welch rigides Kritikverständnis sich in den Köpfen unserer politischen Elite ausgebreitet hat.

Ausgangspunkt war folgende Schlagzeile in der Presse:
Zitat: „Die Presse“: Hundstorfer: „Ein Kredit in Dollar oder in Franken ist
k e i n e Spekulation“

Diese unglaubliche Fehleinschätzung einfachster Finanzvorgänge provozierte
meine Anfrage an Herrn Minister Hundstorfer folgenden Inhalts:
1.)Würden Sie bitte einmal genau erklären, auf welcher Grundlage diese tolle Einschätzung beruht?
2.) Würden Sie, so man es Ihnen jemals anbietet, auch das Finanzministerium oder den Rechnungshof übernehmen?
3.) Haben Sie diese Einschätzung vielleicht sogar mit Ihrer fast ebenso versierten Fachkoll. Fekter abgesprochen?

Die Antwort: 

…..vielen Dank für Ihre Nachricht an Rudolf Hundstorfer über meinparlament.at.

Wir müssen Ihnen allerdings mitteilen, dass wir Ihre Nachricht in der uns vorliegenden Version nicht freischalten, da sie gegen den Moderations-Codex verstößt. Sie fällt in die Kategorie:

– Beleidigungen / Beschimpfungen

„… mit Ihrer fast ebenso versierten Fachkoll. Fekter …“

——————————————————————————

Was war jetzt die „Beleidigung“? Offensichtlich war es allein die Tatsache, dass Frau Fekter als „fast ebenso versiert“ wie der angesprochene Adressat meines Schreibens bezeichnet wurde? Wurde dabei übersehen, dass ich ohnehin das Wörtchen „fast“ verwendete? Fast bedeutet „etwa annähernd“ oder auch  „nicht ganz so“; keinesfalls sollte damit zum Ausdruck gebracht worden sein, dass Frau Fekter „ebenso wie“, nein keinesfalls. Das meinte ich wirklich nicht, Herr Hundstorfer.

Aber vielleicht geht es ohnehin um etwas anderes? Vielleicht empfindet man es schon als Beleidigung, wenn jemand auf die Idee kommt, eine über die Maßen unqualifizierte Aussage von der Art „Dollarkredite sind keine Spekulation“ einfach nicht so widerspruchslos hinzunehmen.

Mangelnde Bürgernähe oder doch Überheblichkeit?

Bitte hinterlassen Sie hier ihre Einwände oder wichtigen Ergänzungen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s